Michael McGarry legt mit A Biblical Theology of Youth Ministry ein durchdachtes und biblisch fundiertes Werk vor, das die Frage stellt, wie Jugendarbeit theologisch verantwortet und sinnvoll in das Leben der Kirche eingebettet werden kann. Das Buch ist gut strukturiert und führt in acht Kapiteln vom Problem der modernen Jugendarbeit über die biblischen Grundlagen bis hin zu praktischen Konsequenzen für Kirchen und Eltern.
Der Autor beginnt mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme: Warum trägt Jugendarbeit langfristig so wenig Frucht? In den folgenden Kapiteln entfaltet McGarry dann eine biblische Theologie, die sowohl das Alte als auch das Neue Testament ernst nimmt. Besonders gelungen ist sein Blick auf Deuteronomium 6, Psalm 78 und andere Texte, die die Weitergabe des Glaubens als gemeinsame Aufgabe von Familie und Glaubensgemeinschaft beschreiben. Auch seine Auslegung des Jüngerschaftsmodells Jesu im Neuen Testament ist nachvollziehbar und legt eine wichtige Grundlage für heutige jugendpädagogische Überlegungen.
Im neutestamentlichen Kapitel zeichnet McGarry nach, wie Jüngerschaft im Umfeld Jesu funktionierte: weniger als Wissensvermittlung, vielmehr als formative Gemeinschaft. Er ordnet diese Beobachtungen in die Praxis der frühen Kirche ein, die sich selbst als oikos verstand – ein Begriff, der nach McGarry deutlich weiter gefasst ist als unser heutiges Verständnis der Kernfamilie. Hier verweist er mehrfach darauf, dass die Gemeinde als „Familie Gottes“ in die Verantwortung genommen wird, ohne die Rolle der leiblichen Eltern zu verdrängen. (Er belegt das u. a. in den Abschnitten, in denen er die neutestamentliche Verwendung von oikos erläutert und zeigt, wie Familienjüngerschaft des Alten Testaments in der Kirche einen kollektiven Ausdruck findet.)
Sehr stark sind zudem die Abschnitte, in denen McGarry die Rolle der Eltern in den Mittelpunkt rückt. Er zeigt überzeugend, dass Gemeinden Eltern nicht ersetzen, sondern befähigen sollen – und dass Jugendarbeit dann fruchtbar wird, wenn Kirche und Zuhause als Partner zusammenarbeiten. Das wird besonders sichtbar, wenn er betont, dass Gemeinden sowohl „co-evangelize“ als auch „co-disciple“ – ein Gedanke, den er mehrfach aufgreift. Auch seine theologische Reflexion zur Schöpfung, Ehe und Familie – etwa wenn er den Begriff ēzer aus Genesis 2 erklärt oder das christliche Zuhause als Ort ganzheitlicher Weltdeutung beschreibt – ist eindrücklich und für die Praxis relevant.
Hilfreich ist auch sein Blick in die Kirchengeschichte, insbesondere auf Katechese als tragende Säule einer glaubensprägenden Jugendpastoral. Und McGarry betont immer wieder: Jugendarbeit ist kein eigenes Biotop, sondern Teil der Kirche – und soll Jugendliche gerade in die Kirche hineinführen.
Trotz vieler Stärken bleibt eine kleine Leerstelle: Anthropologisch wird der Jugendliche als Mensch in seiner Entwicklungsphase kaum ausgeleuchtet. Themen wie Identität, Sinnsuche, Sehnsüchte, innere Kämpfe oder die besonderen Herausforderungen der Adoleszenz werden nur am Rand gestreift. Hier hätte eine etwas detailliertere Betrachtung der Lebenswelt von Jugendlichen dem Buch zusätzliche Tiefe verliehen.
Alles in allem bietet McGarry jedoch ein überzeugendes Plädoyer dafür, Jugendarbeit theologisch klar zu verorten und stärker mit Familie und Kirche zu verzahnen. Ein sehr hilfreiches, gut lesbares Buch für alle, die Jugendarbeit nicht nur organisatorisch, sondern biblisch durchdenken wollen.